Der Deutsche Bundestag hat vor einigen Tagen beschlossen, die Steuerermäßigung für die Alternativ-Kraftstoffe Erdgas und Flüssiggas gleichermaßen bis zum Jahr 2018 festzulegen. Damit wird eine seit mehreren Jahren andauernde Unsicherheit über die weitere Förderung von Autogas, also Flüssiggas als Kraftstoff, durch das gemeinsame Votum der Koalitionsfraktionen beendet. Nach bisheriger Regelung war Erdgas bis 2020 begünstigt, Autogas dagegen nur bis 2009. In dieser Ungleichbehandlung hatten zahlreiche Politiker einen wettbewerbsverzerrenden Eingriff in den Markt gesehen, für den es weder eine ökologische noch eine politisch nachvollziehbare Grundlage gab.
Auch die EU stuft Erd- und Autogas als förderungswürdig ein. Begründung: beide Kraftstoffalternativen zeichnen sich durch eine hohe Umweltverträglichkeit aus, da die Abgas-Emissionen deutlich geringer sind als bei Otto-Kraftstoffen.
Hanns Richard Hareiner, Geschäftsführer der Tyczka Totalgaz und Vorsitzender des Deutschen Verbandes Flüssiggas e.V. (DVFG) begrüßt diese Entwicklung: „Diese Gleichstellung eröffnet nun die Chance auf faire Marktbedingungen, bei denen es den Verbrauchern selbst überlassen wird, für welche schadstoffarme Antriebsvariante sie sich entscheiden.“
Ein Blick auf die aktuellen Entwicklungsstadien der beiden Gaskraftstoffe zeigt, dass die Abstimmung der Verbraucher bereits bisher eindeutig zu Gunsten des Autogases ausgefallen ist. Mit mehr als 85.000 flüssiggasbetriebenen Fahrzeugen und einer Infrastruktur von über 1.500 öffentlich zugänglichen Tankstellen wurde eine Größenordnung erreicht, von der der Kraftstoff Erdgas weit entfernt ist.
Bei Tyczka Totalgaz hat Autogas eine lange Tradition: Schon 1935 setzte das Unternehmen einen flüssiggasbetriebenen Büssing LKW mit neun Tonnen Nutzlast in der täglichen Ausfuhr ein. Und dies hat sich bis heute, über 70 Jahre später, fortgesetzt: so fährt die komplette Fahrzeugflotte der Außendienst-Mannschaft mit Autogas.
Auf Basis der steuerlichen Gleichbehandlung erwartet Tyczka Totalgaz eine dynamische Entwicklung des Autogas-Marktes, da die jetzt entstandene Investitionssicherheit zu einer weiteren Verdichtung des Tankstellennetzes führen wird.
Bereits bis zum Ende dieses Jahres möchte die Flüssiggas-Branche das Tankstellennetz auf bundesweit 2.000 Stationen ausgebaut haben. Allein an den deutschen Autobahnen sollen dann mindestens 50 Tankmöglichkeiten für Autogas bestehen. Hareiner geht davon aus, dass die überwiegend mittelständischen Versorgungsunternehmen der Flüssiggasbranche noch während des laufenden Jahres rund 40 Mio. Euro in den Ausbau des Tankstellennetzes und der Vertriebsstrukturen für Autogas investieren werden.
Im Landkreis Bad Tölz/Wolfratshausen können die Autofahrer an drei öffentlichen Tankstellen tanken: In Königsdorf an der Tankstelle Krenn, in Geretsried auf dem Firmengelände von Tyczka Totalgaz. Und im nächsten Monat in Bad Tölz bei Opel Häusler.
Die Fortschreibung der steuerlichen Förderung bestätigt ausdrücklich die zahlreichen Autofahrer, Flottenbetreiber und Tankstellenpächter, die schon bisher auf den schadstoffarmen Kraftstoff Autogas setzten. Auch bei den Kfz-Werkstätten, die Autogas-Ausrüstungen vornehmen, wird jetzt mit einem enormen Nachfrageschub gerechnet. Durch die Gleichstellung ist die notwendige Planungssicherheit gegeben, Autos mit hoher wirtschaftlicher Attraktivität umzurüsten.
Robert Lug, Mitinhaber der Firma Lug Rolladen und Sonnenschutz, Geretsried, fällte die Entscheidung für Autogas schon im Jahr 2003 und stellt seine Autoflotte sukzessive auf Autogasantrieb um.
Es wird erwartet, dass die Entscheidung des Bundestags nun auch Konsequenzen für die Modell-Strategie der Automobilindustrie haben wird. Bisher galt Autogas wegen des geringen technischen Aufwands vornehmlich als ideale Lösung für nachträgliche Ausrüstungen im Fahrzeugbestand. Die großen Kfz-Hersteller, die flüssiggasbetriebene Fahrzeuge seit Jahren im europäischen Ausland serienmäßig anbieten, hatten sich auf dem deutschen Markt bislang wegen der Unsicherheit über die künftige Steuergesetzgebung zurückgehalten. Lediglich einige wenige Fahrzeugmarken, wie z. B. Subaru, Chevrolet Deutschland und Volkswagen, haben bereits auf das große Verbraucherinteresse reagiert und bieten seit kurzer Zeit ihre Modelle auch mit Autogas-Antrieb an.